Die Untersuchungshaft und das Beschleunigungsgebot in Haftsachen sind m.E. schon ein Dauerbrenner geworden.  Bei der Verteidigung lohnt sich daher nicht  nur der Blick auf den dringenden Tatverdacht bzw. den Haftgrund sondern auch vielmehr die Akte zu prüfen, ob auch dem Beschleunigungsgebot in Haftsachen hinreichend entsprochen worden ist. War das nicht der Fall, kann dies -ungeachtet des dringenden Tatverdachtes und des Haftgrundes- wie im OLG Brandenburg, Beschl.  v. 09.03.2016 – 1 Ws 18/16 zur Aufhebung des Haftbefehls führen. Dort war u.a. die Akte „etwas“ zu lange unterwegs:

"Zwar ist der Angeklagte der in dem angefochtenen Haftbefehl des Amtsgerichts Schwedt/Oder vom 2. Oktober 2015 bezeichneten Taten schon wegen seiner geständigen Einlassung nach wie vor dringend verdächtig; auch besteht angesichts der Straferwartung, des fehlenden festen Wohnsitzes sowie des Fehlens sozialer Bindungen unverändert Fluchtgefahr (§ 112 Abs. 2 Nr. 2 StPO).

Die Aufhebung des Haftbefehls ist allerdings gemäß § 120 Abs. 1 Satz 1 StPO geboten, weil das aus Art. 2 Abs. 2 Satz 2 GG und Art. 5 Abs. 3 Satz 2 MRK folgende Beschleunigungsgebot durch das bisherige Verfahren in einem Maße verletzt ist, dass der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, der der Untersuchungshaft auch unabhängig von der zu erwartenden Strafe Grenzen setzt (vgl. BVerfGE 20, 45), nicht mehr gewahrt ist."

und der Senat weiter:

"Es stellt jedenfalls einen Verstoß gegen das Beschleunigungsgebot dar, dass die Akten mehr als fünf Wochen nach Einlegung der weiteren Beschwerde bei dem für die Entscheidung zuständigen Strafsenat eingegangen sind.

Die jeweils nicht nur unwesentlich verzögerte Weiterleitung der Akten durch die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) nach Einlegung der Beschwerde und der weiteren Beschwerde sowie das Versenden der Akten auch auf dem üblichen Kurierweg führt insgesamt zu einer Verfahrensverzögerung, deren Umfang im Rahmen der vorzunehmenden Abwägung mit Blick auf die schon Anfang November 2015 ausermittelte, aber noch nicht einmal bis heute zur Anklage gebrachte Haftsache gegen einen geständigen Beschuldigten die Fortdauer der Untersuchungshaft nicht mehr erlaubt, zumal die möglicherweise vorliegenden weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Flensburg gegen den Beschuldigten ebenfalls bis heute keinen Eingang in das hiesige Ermittlungsverfahren gefunden haben. Insoweit ist auch keine kurzfristige Entscheidung angekündigt worden. Das Vorhandensein weiterer polizeilicher Ermittlungen gegen den Beschuldigten war – wie bereits ausgeführt – der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) bereits seit November 2015 bekannt.

Die durch die fehlerhafte Sachbehandlung eingetretene, von dem Beschuldigten nicht zu vertretende und auch vermeidbare Verfahrensverzögerung ist nicht unerheblich und könnte auch durch eine alsbaldige Anklageerhebung, zu der es nach Aktenlage bis heute nicht gekommen ist, nicht mehr hinreichend ausgeglichen werden. Der Haftbefehl war daher ohne Rücksicht auf die Straferwartung aufzuheben, so dass es auf weitere Verhältnismäßigkeitserwägung nicht mehr ankam."