Häufig wird von Strafverteidigern in Bußgeldverfahren die Wirksamkeit des Bußgeldbescheides wegen formeller Fehler angegriffen. So auch in  der Generalstaatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht Naumburg, Verfügung v. 17.02. 2015 – 108 SsRs 30/15. Der Betroffene hat Antrag auf Zulassung der Rechtsbeschwerde gestellt. Es wird gerügt, dass der Bußgeldbescheid deshalb unwirksam sei, da die falsche Anrede verwendet wurde („Herr“ statt „Frau“). Alleine deshalb ist m.E. die Wirksamkeit des Bußgeldbescheides nicht gefährdet. In der Verfügung wird von der Generalstaatsanwaltschaft wie folgt ausgeführt:

"Der Bußgeldbescheid vom 07.02.2014 ist nicht deswegen unwirksam, weil er die falsche Geschlechtsanrede (hier: "Herr" statt "Frau") enthielt.
Aufgrund der Tatsache, dass wir zurzeit in einer "Trans-Gender-World" leben (mit Unisextoiletten in fortschrittlichen Universitäten, Rathäusern oder gar Ministerien, Unisexversicherungstarifen, Unisexfrisuren, Unisexparfüms etc.) und die sog. Geschlechtsneutralität immer mehr um sich greift, ist die geschlechtliche Anrede heutzutage für viele modern denkende, emanzipierte Bevölkerungsteile unerheblich. So existieren auf unserem Planeten zahlreiche Männer, die sich als Frauen fühlen und zahlreiche Frauen, die sich als Männer fühlen. Die Geschlechtsanrede (Herr/Frau) lässt mithin allenfalls scheinbar auf das tatsächliche (biologische) Geschlecht schließen. Im Gegensatz zu den Personalien eines Menschen (Name, Geburtstag und -ort) erscheint die Geschlechtsbezeichnung - wenn überhaupt - nur von untergeordneter Bedeutung.
Davon abgesehen berühren mangelhafte Angaben zur Person in einem Bußgeldbescheid die Wirksamkeit desselben nicht, sofern sich die Identität des Betroffenen aus den vorhandenen Angaben zweifelsfrei ergibt (Göhler, OWiG, 16. Aufl., § 66 Rn. 4a m. w. N.). So verhält es sich hier."