Das Landgericht Ravensburg hatte im LG Ravensburg, Beschl. v. 08.05.2015 – 1 Qs 25/15 über eine sofortige Beschwerde des Verteidigers zu entscheiden. Der Strafverteidiger wollte seine Reisekosten (Fahrtkosten und Tage-/Abwesenheitsgeld) von der Staatskasse erstattet haben. Hintergrund war, dass der Rechtsanwalt, ein Fachanwalt für Strafrecht, seine Kanzlei nicht am Wohnort des Angeklagten hat. Die Kammer sah die Zuziehung eines Fachanwalts für Strafrecht als notwendig an, da es sich -trotz geringem Tatvorwurf- um kein einfaches Verfahren gehandelt habe. Die Sach- und Rechtslage sei schwierig gewesen. Am Gerichtsort selbst ist kein Fachanwalt für Strafrecht ansässig.  Das Landgericht führte insoweit aus:

"Zwar sind im Grundsatz die Reisekosten eines an einem dritten Ort ansässigen Verteidigers nur bis zur Höhe der fiktiven Reisekosten eines am Wohnort des Angeklagten ansässigen Rechtsanwalts zu erstatten.
Jedoch können diese Mehrkosten ausnahmsweise festgesetzt werden, wenn aus Sicht eines verständigen Angeklagten die Zuziehung eines nicht am Prozessort wohnenden Fachanwalts für Strafrecht notwendig ist (vgl. Meyer-Goßner/Schmitt StPO 58. Auflage § 464a Rn 12). Dies war hier der Fall:
Trotz des eher geringfügigen Tatvorwurfs einer vorsätzlichen Körperverletzung handelte es sich aufgrund der Notwehrproblematik um kein einfaches Verfahren, weshalb die Hinzuziehung eines Fachanwalts geboten war. So legte der Verteidiger ein - im Ermittlungsverfahren noch nicht erhobenes - ärztliches Attest über die Verletzungen des Angeklagten vor und benannte eine Entlastungszeugin. Den jeweiligen Beweisanträgen des Verteidigers kam das Gericht nach. Schließlich sprach das Gericht den Angeklagten wegen einer nicht ausschließbaren Notwehrsituation frei. Somit war weder Sach- noch Rechtslage ganz einfach gelagert.
Auch war die Beauftragung eines auswärtigen Fachanwalts nötig, da es am Gerichtsort keinen Fachanwalt gibt. Obgleich der beauftragte Verteidiger in einem benachbarten Gerichtsbezirk ansässig ist, befinden sich der Wohnort des Mandanten, der Gerichtsort und der Kanzleisitz des Verteidigers im gleichen Landkreis; also in einer noch vertretbaren räumlichen Entfernung."